Die Geschichte vom Christkind

Dies ist eine Weihnachtsgeschichte von mir über das Christkind. Der Text hat noch keinen Verlag, ist aber auf der Suche nach einem.

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Ich habe zu der Geschichte auch 24 Bilder gezeichnet, die man mithilfe eines Spiegels ansehen kann. Bei Interesse können Sie sich ebenfalls bei mir melden. Schreiben Sie mir bitte auch, wenn Sie einen Fehler entdecken oder einen Verbesserungsvorschlag haben.

Ich hab ’nen Freund mit großem Herz,
welcher Gründe hätt’ zu quengeln.
So entsetzlich ist sein Schmerz.
Er zählt sich zu den Engeln.

Von außen wirkt er ritterlich,
prächtig, stark und äußerst weise.
Jedoch klagt er bitterlich,
allein für sich ganz leise.

Es fallen Tränen vom Gesicht,
keiner darf das aber sehen.
Engel, nein, die weinen nicht.
Wer soll ihn schon verstehen.

Hör weiter, wenn’s dich wundernimmt,
warum er dies Weh empfindet,
was für ihn so gar nicht stimmt
und wie er Heilung findet.

Ein Tag vor der geweihten Nacht
geht der Engel durch den Garten.
Blumen blühen und er lacht.
Er braucht nicht mehr zu warten.

Da oben auf dem einen Ast
fängt sein Freund an ihm zu winken,
wie ’ne Fahne auf ’nem Mast,
als sei er am Ertrinken.

Doch will er nur, dass man ihn sieht.
Deshalb macht er diese Gesten.
Was natürlich gleich geschieht.
Du kannst es ja mal testen.

„Was ist in deinem kleinen Sack?“,
fragt der Freund, bemerkt dann Krumen.
„Sag, für was hast du Zwieback?
Gewiss nicht für die Blumen!

Ich mein, die Tüte hat ’nen Riss.
Aber sag, ist ’s Rätsel schwierig?“
„Hast du denn genügend Biss?“
„Ich bin doch nur neugierig.“

Der Engel kehrt die Tüte um.
Keine Krume kann entkommen.
Das ist schräg und doch nicht dumm.
Darauf sagt er besonnen:

„Ganz egal welchen Tipp du hast,
knacken wirst du’s nie und nimmer.“
„Bist du heut jemandes Gast?
Sonst hab’ ich keinen Schimmer.“

„Das Brot, das ist für eine Rast
doch im Säckchen sind drei Gaben,
die ich machte ohne Hast
für einen kleinen Knaben.“

„Das heißt, du gehst nun ganz weit fort?
„Ja, ich muss hinab zur Erde.“
„Dann bleib ich an diesem Ort
und pfleg für dich die Pferde.“

„Zu zweit ist’s schöner, komm doch mit!“
„Geh du mal allein auf Reisen.
Ich hab’ großen Appetit
und du kaum was zu speisen.“

„Vertrau, verpassen willst du nicht,
wenn’s schon ausreicht für uns beide,
was gar winzig wie ein Wicht
und größer als Getreide!“

„Ich hab’ ja Äpfel neben mir.
Beinah hätt’ ich sie vergessen.
Sei gewiss, sie schmecken dir!
Die können wir gleich essen!“

Der Freund seilt seinen Vorrat ab.
Der steckt in ’nem Korb aus Weiden.
Doch das Tragen macht ihn schlapp.
Wird er sich umentscheiden?

„Darf ich“, fragt er nach kurzer Zeit,
„etwas vom Zwieback probieren?“
„Sicher, ich bin gern bereit,
dir eines zu spendieren.“

Sobald er’s hat, setzt er sich hin.
Schau, er macht schon jetzt ’ne Pause.
„Wie doof, dass ich müde bin.
Blieb ich doch nur Zuhause.

Vielleicht stärkt mich ja dieses Stück.
Also will ich schnell reinbeißen.“
Fast stürzt er in ein Unglück.
Das ist nicht gutzuheißen.

„Steh auf! Die Treppe ist geputzt!
Weh mir, hätt’ ich nicht gerufen,
na, dann wären sie verschmutz,
die weißen Himmelsstufen!“

Der Freund des Engels schwatzt und schmatzt.
Würd’s den Engel nur nicht stören.
Jetzt passiert’s, sein Kragen platzt,
er will ihn nicht mehr hören:

„Man spricht doch nicht mit vollem Mund!“
„Doch! Ich hab ’nen leeren Magen!“
„Sieh, du wirst noch kugelrund!“
„Ich kann so viel vertragen!“

Es stoppt der Streit, dann übt ein Chor.
Unser Engel wird gelassen.
Auch sein Freund ist schon ganz Ohr.
Sie wollen nichts verpassen.

Dies eine Lied, das klingt beschwingt.
Ringsum tanzen die Planeten.
Wer wohl in der Ferne singt,
begleitet von Trompeten.

Sind’s Sterne oder ist’s ’ne Schar?
Warum funkelt’s dort im Dunkeln?
Nein, dem Freund ist das nicht klar.
Ihm ist auch nicht nach Munkeln.

Hauptsache er ist endlich satt
und sie fliegen zu den Lichtern.
Allenfalls ist’s eine Stadt
mit sicher zig Gesichtern.

Tatsächlich ist es eine Stadt.
Sieh! Ein Stall mit vielen Leuten!
Konnte da der Freund doch glatt
des Christ Geburt nicht deuten!

Das Kind ist da, das Volk ist froh
und die Engel jubilieren.
In ’ner Krippe liegt’s im Stroh,
dem Futter von den Tieren.

Die Engel setzen sich aufs Dach.
Nun erhält das Kind die Weihe.
Liebe Freunde, bleibt noch wach!
Bald seid ihr an der Reihe!

Der Engel packt den Sack gleich aus.
Nur die Schnur muss er aufbinden.
Still nimmt er den Inhalt raus.
Was wird sich darin finden?

Es ist ’ne Krone und ein Rock.
Beides ist geschmückt mit Steinen.
Dazu schenkt er einen Stock.
Auch der ist für den Kleinen.

Der Stock ist einem Zepter gleich
sowie einem Stab des Hirten.
Dieser Prinz, der ist nicht reich,
gleichwohl wird er bewirten.

So hat der Freund zwar nichts dabei,
doch wir sind mit ihm geduldig.
Denn er ist trotz Rederei,
niemandem etwas schuldig.

Er nimmt dann einen Apfelrest.
Dieser ist schon leicht am Gammeln.
Schön, dass er ihn übrig lässt!
Da gibt’s gar nichts zu stammeln!

Er pflanzt, derweil er ihn entkernt,
zehn Samen in die Erde,
auf dass, so hat er’s gelernt,
ein Apfelbaum draus werde.

Kern vier, der keimt brav wie ein Lamm.
Dann, das dauert aber lange,
wachsen Wurzeln und ein Stamm.
Das glaub, hab keine Bange!

Rasch sind die Äpfel grün und rot.
Manche fallen von den Zweigen.
Andre gibt’s zum Abendbrot.
Wer ist am Runtersteigen?

Wie schnell doch nur die Zeit vergeht.
Hundert Mal gibt’s eine Ernte,
bis der Stamm dann nicht mehr steht,
weil einer ihn entfernte.

Nun herrscht der Christ im Himmelsschloss
über aller Welten Dinge.
Mehr sei er gar als ein Boss,
da er das All durchdringe.

In einer auserwählten Nacht
offenbart er seine Güte
und Allmacht in voller Pracht
wie eine zarte Blüte.

So ruft er unsren Engel her.
Seinen Wunsch will er erfüllen.
Dieser freut sich freilich sehr.
Es gibt was zu enthüllen.

Der Christ, der sagt auf seinem Thron,
weit weg von der hohen Pforte,
mit ’nem Echo nach dem Ton
die folgenden paar Worte:

„Mein Kind, ich weiß um deine Pein.
Ja, es schmerzt, dich so zu sehen.
Wie sehr möchtest du klein sein!
Ich kann dich gut verstehen.“

Dort macht der Christ ’nen kleinen Kranz
mit ’nem Stern in dessen Mitte
und hört über die Distanz
des Engels schnelle Schritte.

Der Stern, der glitzert immer mehr
und die Schritte werden lauter.
Christ, der Herr, entlässt sein Heer
und sagt dann als Vertrauter:

„Ich will nicht, dass du traurig bist,
darum will ich dich benennen.
Du sollst heißen Kind vom Christ
und jeder wird dich kennen.“

Dann steht er auf von seinem Sitz,
bietet ihn an mit ’ner Geste.
„Nein, das ist kein schlechter Witz.
Für dich doch nur das Beste!“

Als er sich setzt, erscheint ein Schein.
Schwungvoll dreht der seine Kreise
und der Engel wird ganz klein
auf wundersame Weise.

Der Christ setzt ihm den Kranz noch auf.
Doch die Geschichte ist nicht fertig.
Sie nimmt jetzt erst ihren Lauf
und läuft auch gegenwärtig.

Im Garten glaubt der Engel ’s kaum,
vor ihm liegt ein Berg von Sachen.
Welch ein wahrgeword’ner Traum!
Darf er die wohl aufmachen?

Sieh, hier und da steht fürs Christkind
auf den bunten Etiketten.
Dass die Gaben für ihn sind,
darauf könnt er verwetten.

Bloß eine Frage hat er noch:
Wo ist die geliebte Herde?
Ah, da hinten sind sie doch,
die ungepflegten Pferde!

Sie wiehern und der Engel lacht:
„Kommt und helft mir auf die Schnelle!
Dafür bürst ich dann ganz sacht
die zotteligen Felle.“

Ein Pferd legt ihm die Bürste hin.
Er hat’s ihnen doch versprochen.
Für den Engel liegt’s nicht drin.
Er spielt ununterbrochen.

Auch kommt der Freund und fragt ihn lieb:
„Darf ich mit den Sachen spielen?“
Er sagt: „Nein, du feister Dieb“,
weil sie ihm so gefielen.

Ja, er hat Freude wie es schien.
Er mag all die tollen Spiele.
Aber, ehrlich, nur für ihn
sind’s einfach viel zu Viele!

Weg sind die Pferde und er klagt.
Keiner steht auf seiner Seite.
Alle hatte er verjagt.
Da suchten sie das Weite.

Er klettert auf den großen Baum.
Eine Träne fällt herunter.
Traurig schaut er in den Raum.
Nichts macht ihn wieder munter.

Das, was den Engel dann umstimmt,
ist das Mitgefühl des Höchsten,
der sofort sein Leid vernimmt
und kommt, um ihn zu trösten.

„Ich sehe, deine Not ist groß“,
sagt der Christ. „Lass mich dich drücken.“
Er nimmt ihn auf seinen Schoss
und streichelt ihm den Rücken.

„Du hast doch alles und bist klein,
dem zum Trotz ist dir nach Weinen.
Glaub mir, du bist nicht allein,
du zählst jetzt zu den Kleinen.“

Da gibt er ihm ein Stückchen Glas,
aber nicht ein stinknormales.
Was zum Kuckuck ist denn das?
Bestimmt was Geniales.

Das Stück hat ’nen gewölbten Schliff.
Schaut man durch, wirkt alles näher.
Eine Lupe ohne Griff.
Damit wird er zum Späher.

Als er’s in seine Hände nimmt,
dünkt es ihn das Glas sei trüber.
Auch das Bild so gar nicht stimmt,
denn sieh, es ist kopfüber!

Flink sitzt auf ’nem Papier ein Punkt,
doch der Rauch lässt nicht erkennen,
dass Feines, obzwar ’s nicht funkt,
so doch beginnt zu brennen.

Die Lupe ist bald schwarz vor Ruß,
so dass er, um sie zu nutzen,
tut, was getan werden muss:
wegwischen und dann putzen.

Das Feuer, da’s von selbst abflaut,
ohne Stoff kann’s nur ersticken,
möchte, dass der Engel schaut,
ob er was wird erblicken?

Hier tragen Tiere ein Stück Holz.
Es sind emsige Ameisen.
Alle sind sie stark und stolz.
Sie müssen nichts beweisen.

Gern wär der Engel auch wie sie
und das gibt ihm Denkanstöße.
Er schrumpft in der Fantasie
prompt auf Ameisengröße.

Die Hände halten das Brennglas.
Er erkundet Gegenstände.
Dabei krabbelt er durchs Gras
weit über das Gelände.

Jäh stößt er aus ein Wehgeschrei!
Er fühlt sich komplett erschlagen.
Der Geschenke waren zwei,
die anderen, die lagen,

die waren nicht für ihn bestimmt.
Darauf standen and’re Namen.
Was wenn man sie ihm fortnimmt?
Das würd’ er nicht ertragen!

Wenngleich erklärt er sich dem Christ.
Warum sollt er’s auch vermeiden?
Frei sagt er was Sache ist
und braucht nicht länger leiden.

Er sagt: „Ich hatte große Schmacht.
Alle Gaben sind zerrissen.
Denn ich hatte falsch gedacht.
Jetzt quält mich mein Gewissen.“

Der Christ antwortet nicht direkt,
jedoch öffnet er ’ne Kiste.
Viel hat er in der versteckt.
Darunter auch ’ne Liste.

„Mein Kind, wir brauchen dieses Rohr
und das Glas wirst du verwerten.
Schau, wir geh’n nach dem Plan vor
und werden zu Experten.“

Das Fernrohr ist zu End’ gebaut.
Er will’s auf die Erde richten.
Es lässt sich, als er durchschaut,
ein Mann mit Gaben sichten.

Der Engel folgt ihm mit dem Rohr.
Er sieht Menschen und nicht minder,
flüstert ihm der Christ ins Ohr
Geschichten derer Kinder.

Das wahrlich macht er, denn er kann
über jeden was erzählen.
Doch sagt der Christ irgendwann:
„Jetzt lasse ich dich wählen.“

Da meint des Engels großes Herz:
Du sollst mit den Kindern teilen.
Zu sehr plagt dich sonst der Schmerz
und zu gern möcht ich heilen.

Die Engel hören vom Entschluss.
Sofort woll’n sie Beistand leisten!
So verschwindet der Verdruss.
Zusammen geht am Meisten!

Sie suchen zuerst nach dem Vieh,
ziehen es rasch aus der Gosse
und machen aus ihnen, sieh,
sehr schöne edle Rosse.

Mit Namen und mit Dingen, schau,
sind die Engel am Hantieren.
Pflicht ist’s farblich, blau zu blau,
die Gaben zu sortieren.

Wie viele Engel sind es, zähl,
welche alles schön verpacken?
Was macht der Freund mit dem Mehl?
Er möchte Brötchen backen.

Die Engel haben ganz viel Spaß.
Das kann kein Gespött verhindern.
Und, jetzt wird es wirklich krass,
sie werden auch zu Kindern!

Schnell laden sie die Gaben auf.
Gut, dass sie drei Schlitten haben.
Ja, ihr seid im Zieleinlauf,
jetzt bringt endlich die Gaben!

Obst ist gesund für jedes Kind.
Deshalb hängt es an die Tannen!
Dann geht weiter, husch, geschwind.
Fahrt los mit den Gespannen!

Doch schaut, wenn ihr vorüberzieht,
nicht gerade in die Fenster.
Weil es sonst fast so aussieht,
als wäret ihr Gespenster!

Mit Glück kann man im frischen Schnee
ein paar Abdrücke aufspüren.
Denn in Säcken trägt ein Reh
die Gaben vor die Türen.

Die Mutter sieht’s und schleicht hinaus.
Dann, verwundert, etwas zagend,
sperrt sie weg den Sack im Haus
bis kurz vor Heiligabend.

Zu guter Letzt, und das ist klar,
ist dein Traum groß und dein Glauben,
sag ich dir, wird dein Wunsch wahr,
es kann ihn keiner rauben.

Und wenn du fest zum Höchsten flehst,
hat sein Wirken keine Mängel.
Wenn du dann am Ende gehst,
kommst du zu unsrem Engel.

Drum leb’ getrost und lebe froh,
lebe liebend und lebendig,
Schuld vergib dir ebenso
wie anderen vollständig!

Sprich, wenn du auf das Heil vertraust,
kommen Engel alle Jahre,
mit den Schlitten angebraust,
die Bräuche zu bewahren.

Copyright by Tamara Haefeli